Dienstag, 29. Oktober 2013

Claudius Eroberung Britanniens


Einleitung

Britannien mit seinen vielen Inseln vereinigt hervorragende Landschafts- und Umweltbedingungen, die die Geschichte dieses Landes bis heute prägt. Es finden sich keine Wüsten oder Tundren in Britannien, sondern gerade im Süden und Osten des Landes jede Menge Land das für die Landwirtschaft bestens geeignet ist. Durch seine vielen Flüsse ist die Möglichkeit zur Ansiedlung fast überall gegeben und durch die Nähe zum Golfstrom kann Britannien, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern die so weit im Norden liegen, auf die Wärme des tropischen Meeres zurückgreifen. Neben diesen Eigenschaften des Landes, die Britannien zu einem außerordentlich attraktiven Siedlungspunkt machten, ist das Meer das Britannien umgibt ein weiterer Faktor der die Geschichte des Landes prägte. Als natürlicher Schutz vor äußeren Gefahren umschließt das Meer die Inseln, ohne dabei isolierend zu wirken. Auch wenn die Überfahrt vom Festland kurz ist, ist sie für denjenigen der leichtsinnig versucht überzusetzen gefährlich und unberechenbar. Schon vor Caesar gab es Kontakt zwischen den Inselbewohnern und Menschen vom Festland. Die Griechen wussten schon im 4. Jahrhundert vor Christus von der Existenz Britanniens, unter dem Namen Albion. Albion leitete sich vermutlich von dem griechischen Wort für Weiß, alphos , ab, dass ziemlich sicher von den weißen Kalkklippen der südöstlichen Küste herrührt. Im laufe der Zeit wurde die Bezeichnung Albion für Britannien nicht mehr von den Griechen verwendet, stattdessen nannten sie das Land Prettannia oder Brettania. Trotzdem blieb Britannien und seine Bewohner für viele Menschen nur ein Mythos oder zumindest ein exotisches weit entferntes Land. Unter Caesar wurde das mystische Britannien für die Römer zum ersten mal fassbar und unter Claudius wurde sogar ein Teil der Insel erobert. Diese Hausarbeit soll sich daher mit der Eroberung Britanniens unter Claudius AD 43-47 befassen und die Gründe sowie die Eroberung an sich analysieren. Der Schluss soll ein kurzer Einblick in die weitere Kolonialisierung Britanniens und dem Ende der Eroberung unter Claudius bilden. So soll anhand des Caratacus Aufstands gezeigt werden, dass die Römer mehr Probleme mit der Befriedung der eroberten Gebiete hatten als sie anfangs gedacht hätten. Anhand der vorrangig englischen Literatur werden Zitate hauptsächlich auf Englisch sein. Der letzte Punkt wird eine kurze Diskussion sein, ob Claudius seine Ziele mit der Eroberung Britanniens erreicht hatte.




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Roms Imperialismus


Zum Unmut vieler Forscher stellt die Zeit der Invasion Britanniens unter Claudius einen ungenauen Informationszeitraum dar. Das was als Quellenmaterial zur Verfügung steht geht auf die Zeit Dio Cassius zurück, der ungefähr 160 Jahre nach der Invasion Britanniens über die Geschehnisse schreibt. Die Quellen die Tacitus geschrieben hatte sind leider gar nicht oder nur fragmentarisch vorhanden. Auch wenn Dio mit geographischen Erwähnung und Fakten zurückhaltend bleibt, können seine Schriften als wichtige Quellen zur Untersuchung diese Themenbereiches herangezogen werden.
Gaius Caligula, Claudius Vorgänger, hatte ebenfalls Pläne gehabt eine Eroberung Britanniens zu unternehmen, um militärischen Ruhm zu erlangen. Einen Anlass um ein militärisches Eingreifen zu rechtfertigen, bot die Flucht des vertriebenen britannischen Herrschers Adminius. Caligulas Kriegszug gegen Germanien hatte nicht den geplanten militärischen Erfolg und den einhergehenden Ruhm mit sich gebracht und auch die Befürchtung Adminius Vater Cunobelinus könnte zu viel Macht erlangen und somit eine Gefahr für die nördlichen Provinzen Roms werden, boten Anlass für eine Intervention. Gleich wie bei Claudius sollte die Überfahrt nach Britannien bei Boulogne-sur-Mer stattfinden. Zu einem Übersetzen kam es aber nicht da die Soldaten, so nach Brodersen, eine Überfahrt über das beluosus oceanus fürchteten und somit möglicherweise den Befehl des Übersetzen verweigerten. Caligula erließ darauf den Befehl Muscheln an der Küste als Trophäen einsammeln zu lassen und gab den Soldaten ein kleines Donativ, vermutlich als Bestrafung für die Befehlsverweigerung. Sueton schreit hierzu folgendes:

" Darauf verkündete er [ Caligula ] dem Heer das ihm bestimmte Donativ [ s.o. ] von hundert Denaren pro Mann und schloß, gleich als ob er damit über jedes Beispiel von Freigebigkeit hinausgegangen sei, seine Rede mit den Worten: " So geht denn fröhlich, geht mit vollen Taschen heim!" 1

Wenn die Wortlaute Caligulas richtig überliefert wurden, findet man in seinen Worten Sarkasmus wieder, die mit seinem großzügigen Geldgeschenk von hundert Denaren seinen Unmut mit seinen Truppen zeigen. War ein Donativ von hundert Denaren für die Soldaten doch beleidigend wenig.
Brodersen merkt jedoch an, dass es sich beim dem Umstand des Muschelsammelns auch um ein historisches Missverständnis handeln könnte, da in der antiken Verwendung des Wortes " musculi " Muscheln oder auch die Legionärszelte gemeint werden konnten. Somit kann es auch sein, dass
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Caligula lediglich den Befehl zum Abbruch der Zelte gab und nicht wie die später gern erzählte Anekdote vermuten lässt, Muscheln sammeln ließ.2 Das Einsammeln der Zelte scheint heutigen Historikern plausibler als das Einsammeln von Muscheln, da Muscheln als Beutestücke eher den Spott Roms auf sich gezogen hätte und eine Meuterei bei dem Befehl zum Übersetzen später unter Claudius ebenfalls stattfand. Sueton berichtet das Caligula einen Leuchtturm nach der Meuterei erbauen lies, plausibler jedoch scheint die Annahme, dass der Leuchtturm schon vor der Meuterei erbaut wurde um eine Navigation auf offener See zu erleichtern. Die Überlieferung das der Turm erst nach dem Scheitern der Überfahrt erbaut wurde scheint vielmehr ein Versuch zu sein das Bild Caligulas in das Negative zu ziehen. Jedoch blieb dieser Leuchtturm ein kleiner Erfolg Caligulas, da Claudius bei seinem Feldzug nach Britannien diesen als Navigationspunkt bei der Überfahrt nutzte.
Claudius gelangte 41 n. Chr., durch besondere Umstände zu dieser Zeit, an die Macht. Claudius war dabei erst der vierte Kaiser seit der Begründung des Kaiserfamilie. Er war der Enkel von Augustus Schwester Ocativa, Neffe von Tiberius und Enkel von Augustus Frau Livia. Das er den Umsturz und den Mord Caligulas überlebte, war dem unrühmlichen Zustand zuzurechnen, dass er als Narr angesehen wurde und dieser Sichtweise sicherlich, um zu Überleben noch mehr Wert einhauchte. So wurde er als gedachte Marionette, von der Prätorianischen Wache eingesetzt, die kurz zuvor seinen Vorgänger ermordet hatten. Das Claudius in der Rolle als Marionette, die ihm zugeschrieben wurde, nicht gerecht werden sollte, wurde durch sein Streben nach Anerkennung und dem damit einhergehende Sicherheit seines Überlebens überragt. Er musste sich in seiner Rolle als Kaiser beweisen und genügend Zuspruch vom Volk erhalten um aus dem Fokus des Entbehrlichen zu rücken. Hierfür sah Claudius einen militärischen Triumph als beste Möglichkeit, genügend Geltung zu erhalten. Bevor Claudius jedoch die Gedanken an einen militärischen Triumph verwirklichen konnte, musste er zuerst demonstrativ ein paar der Mörder seines Onkels hinrichten lassen um seinen Loyalität gegenüber seiner Familie zu beweisen. Zudem ließ er einige Reformen verlauten, die die Stabilität des Reiches wieder festigen und das Ansehen seiner Familie erhöhen sollte. Nicht die wertvollen Ressourcen oder der Expansionsdruck des Reiches drängten Claudius zu dieser Entscheidung, sondern die Verwirklichung der Pläne Caesars einer Eroberung Britanniens. Für das Volk und die Nobilität versprach die erfolgreiche Unterwerfung Britanniens, mehr Land für die Menschen, mehr Ressourcen zur Nutzung und der Zugang zu neuen Plätzen der Welt. Zwar bedeutete eine neue Kampagne zuerst das Einsetzen eigener Ressourcen wie Geld und Menschen, aber die Aussicht auf Beute war für die meisten Römer wichtiger. Auch der Gedanke das die Eroberung neuer Lande nicht als Invasion, also einem aggressiven Verhalten zur Bereicherung, diente, sondern der Befreiung der Barbaren von ihrer barbarischen Kultur diente und die Römer
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sich somit als Befreier der Welt verstanden, muss in die Betrachtung des Verhalten der Römer beachtet werden. Rom stand schon lange in Kontakt mit Adligen in Britannien und viele von ihnen verdankten ihren Status Augutus. Rom war nicht nur in Britannien darauf bedacht die dynastischen Verhältnisse und die Machtwaage, solange ein Land nicht unter seiner direkten Kontrolle stand, im Auge zu behalten. Somit spielten die internen Konflikte unter den britannischen Fürsten Claudius in die Hand und gaben ihm den Grund für einen bellum iustum. Die Religiöse Einbindung in den Krieg, also die religiöse Konstruktion des Krieges, kann durch Rituale, Glaubenssätze und Rechtssätze als Normalisierungsfaktor des Unnormalen dienen. Das Volk dient einem höheren Zweck und muss somit die bevorstehenden Strapazen erdulden und sein bestmögliches tun um der Aufgabe der Götter gerecht zu werden. Um nun die Frage wann ein Krieg gerecht sei ( bellum iustum ) zu beantworten, entstand in Rom eine eigene Institution, die sogenannten " Fetialen ". Ihren Ursprung haben die " Fetialen " in der Problematik der Familienfehden in Rom. Als stattliches Organ mit eigenen Riten sollte dem ausufern der Fehden Einhalt geboten werden. Was zunächst der Kontrolle von Familienfehden diente, wurde seit der Mitte des dritten Jahrhunderts zu einem Kontrollorgan des Senats um weit entfernte Magistrat zu kontrollieren und bei gegebenen Verfehlungen so zur Rechenschaft zu ziehen. Dabei wurde auf die selbstständige Vertragsschließung der Magistraten eingegangen. Wenn sie eigennützigen Verträge schlossen die zu Konflikten mit Bundesgenossen oder anderen Völkern führten, konnten die " Fetialen " durch Auslieferung des entsprechenden Vertragssünder Konflikte vom Staat abwenden. Mit der weiteren Entwicklung des römischen Staates veränderte sich ebenfalls der Aufgabenbereich der " Fetialen ". Ihre Mitglieder gehörten einem Priesterkollegium an, die den Gegner Roms die Chance auf Wiedergutmachung ( repetito rerum ) einräumte und falls diese ablehnten den Krieg erklären konnten. Sie traten somit als Völkerrechtsexperten für die Interessen Roms auf.
Im Falle eines " bellum iustum " zogen sich sakrale Riten durch die gesamte römische Kriegsführung und bildeten eine streng gegliederte Anleitung wie ein solcher Krieg zu führen war.
Nach der Kriegserklärung durch die Priester wurde vor dem Entsenden der Truppen ein Divinationsakt durchgeführt. Bei den Auszugsauspizien wurde daher genau untersucht ob Iuppiter seine Zustimmung für einen entsprechenden Feldzug dem Senat erteilte. Es konnte ebenfalls ein Rückruf des Generals von seinem Feldzug erteilt werden, um erneut Auspizien ( auspicia repetere ) durchzuführen. Für eine vollständige Legitimation des Feldzuges legte der Feldherr auf dem Kapitol des Iuppiter mehre Gelübde ab, die dieser nach einem erfolgreichen Feldzug einlösen wollte ( vota nuncupare ). Mit dem Auszug des Heeres aus Rom tauschte der Feldheer seine Toga gegen einen Kriegsmantel ( paludamentum ) und die " porta Ianualis " wurde geöffnet. Diese Pforte, ein Tor welches dem Forum am nächsten war, diente als Orientierungspunkt für alle Römer ob Rom
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gegenwärtig im Krieg war. In Zeiten des Friedens blieb sie geschlossen.
Die Reinigung des Heeres durch eine sogenannte " lustratio exercitus " erfolgte nach dem Eintreffen des Feldherren. Bei diesem Ritus wurden Opfertiere um das gesamte Heer geführt und anschließen geopfert. Im Anschluss legte das Heer ein " sacramentum ", einen Eid auf den Feldherren ab, indem ein Text vorgelesen wurde den jeder Soldat mit den Worten " idem in me " ( lat.: Das Gilt auch für mich ) antwortete. Am Tage der Schlacht wurde ein " tripudium " durchgeführt, bei dem das Fressverhalten von mitgeführten Hühnern beobachtet wurde. Fraßen die Hühner gierig war dies ein positives Zeichen für den Verlauf des Kampfes. Auch während eines Kampfes konnte der Feldherr durch laute Gebete und Gelübde die Moral der Truppen zusätzlich stärken. Selbst in absoluten Notsituation konnte der Feldherr versuchen durch eine " Devotio der Decier " den Ausgang der Schlacht zu verändern. Dabei verfluchte der Feldherr die Feinde Roms in Form eines Gelübdes und unterstrich diese sakrale Handlung mit seiner Selbstopferung. Historisch ist nur ein Fall einer solchen Handlung bekannt und darf daher nicht als Teil des sakralen Aufbau eines Krieges angesehen werden. Ein weiteres Gelübde beinhaltet das Versprechen an die gegnerischen Götter ( Evokation ) , dass wenn diese sich von den Feinden Roms abwenden, ihnen im Gegenzug in Rom Tempel und eigene Kulte versprochen wurden.
Professor C.M. Wells sieht in den Texten Virgils einen Beweis für die göttliche Expansions-Mission Roms. Virgil schreibt über den Gott Jupiter ,, I set upon the Romans bound neither of space nor of time: I have bestowed upon the empire without limit"3.
Auch Livius schreibt einen ähnlichen Text:

,, Go and annnounce to the Romans ... that the gods desire my city of Rome shall be the capital of all the countries of the world. To that end they shall cultivate the arts of war and transmit their knowledge to their descendants so that no human power shall be able to resist the military might of Rome"4
Zudem kannten die Römer nur zwei Arten von Menschen, Abhängige Menschen ( subiecti ) oder Unabhängige Menschen ( superbi ). Somit war es aus ihrer Sicht moralisch legitim, unter anderem mit kleinen Reichen nach ihrem Willen zu verfahren oder sogar ganze Stämme auszurotten wenn sie sich nicht der Macht Roms beugen wollten. Die Götter gaben ihnen ein Reich ohne Grenzen ( imperium sine fine ) und diese Idee versuchten die Römer durch ihre Expansionsbestrebungen auch durchzusetzen.
Seit Caesar wuchs die Macht des Stammes der Catuvelauni, nördlich der Themse, mit ihrem König

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Conobelinus. Unter Augustus und Tiberius geriet Britannien in Vergessenheit so dass Tacitus diese Zeit als ,, long oblivion "5 bezeichnete. In den dreißiger Jahren AD. kontrollierten die Catuvellauni große Teile des Landes nördlich der Themse. Ausgegangen von ihrem Ursprungsbereich um Hertfordshire, übernahmen sie nach und nach die Kontrolle über das Trinovantian Territorium sowie dessen Hauptstadt bei Colchester im Osten und erweiterten ebenfalls ihren Einflussbereich über die Atrebates im Süden Britanniens. Gerade dieser Machtzuwachs des Stammes veranlasste Rom, Cunobelinus durch Diplomatie an das römische Reich zu binden. Im Jahre 43 AD. starb Cunobelinus und hinterließ sein Reich seinen Söhnen, dass durch seinen Tod politisch instabil geworden war. Sein ansehen in Rom war so groß gewesen das Sueton ihn als ,, King of the Britons "6 bezeichnete. Doch gerade dieses Chaos, dass sein Tod hinterließ, lieferte Rom den Grund eine Invasion nach Britannien zu starten und auch den Vorteil nicht einem vereinten Gegner gegenüber zu stehen. Tacitus schreibt hierzu folgendes:

" One the Britons were obedient to kings: now they are torn apart by the warring parties of different leaders. There is, of course, from our point of view nothing more useful than if, when we are facing more than one strong enemy, they do not act in concert. It is very rarer that two or more British tribes will come together to repel a common danger. They fight separately and separately are defeated. "7

Rom musste intervenieren solange die Stämme Britanniens miteinander im Streit lagen, schließlich wusste Rom nur zu gut was es bedeutete gegen einen Vereinten Stamm zu kämpfen. Auch die stärker werdende Anti-Römische Allianz in Britannien war eine ernste Bedrohung für die Interessen Roms. Die Anführer dieser Anti-Römischen Allianz waren Togodumnus und Caratacus, Söhne des verstorbenen Cunobelinus, die gemeinsam in einer Allianz mit den meisten Stämmen des Südens und Ostens, sowie zu teilen mit Stämmen des Westens waren. Claudius hatte somit jede Legitimation eines bellum iustum.

Die Invasion Britanniens


Neben den genannten Hauptgrund von Claudius seine Macht durch einen Triumph zu sichern, würde eine Entsendung von Truppen nach Gaul zur Verteidigung der Küste gegen eine möglichen
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Angriff von der Britannischen Insel aus, eine Destabilisierung der Macht in Rom bedeuten. Eine große Streitmacht auf einem kleinen Bereich gebündelt, könnte einen potentiellen Rivalen Claudius dazu ermuntern einen militärischen Umsturz zu versuchen. Ein direkte Invasion nach Britannien hingegen würde die Kosten des Feldzuges durch Beute möglicherweise selber tragen und ein Usurpator würde es schwieriger haben einen Umsturz zu versuchen wenn er erst seine Truppen wieder übersetzen lassen müsste. Des weiteren würde eine Erfolgreiche Invasion neben Profit auch die Loyalität der Soldaten versprechen, die durch eine erfolgreiche Kampagne auf Geldgeschenke hoffen konnten. Tacitus beschrieb Gold, Silber und andere Metalle als " wages of victory " ( pretium victoriae )8.
Die Armee die Claudius für seine Pläne zur Eroberung Britanniens aufstellte war erfahren und konnte auf einen erfahren Genral bauen. Aulus Plautius, der im Jahre 29 AD. Konsul war, hatte Erfahrung mit dem Niederschlagen von aufkeimenden Revolten in seiner Amtszeit als Stadthalter in der Provinz Pannonia. Claudius entsendete vier Legionen nach Britannien, II Augusta aus Straßburg, XIV Gemina aus Mainz, XX Valeria Victrix aus Köln und die IX Hispana aus Pannonien . Zusammen mit den Unterstützungstruppen der Auxuliar betrug die gesamte Größe des Heeres um die 40.000 Mann. Diese Soldaten waren erfahren im Kampf, schwer bewaffnet und besaßen eine außerordentliche Disziplin, ganz im Gegensatz zu den Britanniern. Auf Britischer Seite gab es kein stehendes Heer, vielmehr waren der Großteil einfache Farmer die in Zeiten der Gefahr zum Waffengang gerufen wurden. Gerade diese Abhängigkeit von ihren Farmen machte es für die Britannier unmöglich längere Feldzüge zu unternehmen, da die Felder je nach Jahreszeit bestellt werden mussten. Auch ein längeres Training an den Waffen sowie der Aufbau einer Truppendisziplin, machte die Tätigkeit als Farmer für sie unmöglich. Auch Ihre Bewaffnung war den Römern unterlegen, so war das keltische Schwert, neben dem Schild die einzige Bewaffnung die sie hatten und auch ihr Körperschutz in Form von Helmen und Rüstungen war nur sehr wenigen vorbehalten. Die Britannier hatten somit einen starken Feind gegen sich, den sie auf offenem Feld nicht besiegen konnten.
Doch schon das Auslaufen der Schiffe mit den Legionen stellte Claudius vor eine harte Bewährungsprobe, waren doch schon Kaiser vor ihm daran gescheitert ihre Truppen zu motivieren in das unbekannte und furchteinflößende Britannien überzusetzen. Die einfachen Soldaten fühlten sich als ob sie in eine unbekannte Welt geschickt wurden und die Gerüchte im Lager über die Schrecken auf See und an Land taten ihr übriges.9 Auch Aulus Plautius vermochte es nicht seine Truppen zur Überfahrt zu überreden und musste schließlich eine Nachricht an Claudius schicken, in der er um direkte Intervention durch ihn bat um die Truppen zum Übersetzen zu bringen. Dieser
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Umstand bedeutete eine Zwangspause der Invasion von 2 Monaten um die Nachricht nach Rom und wieder zurück zu bringen und der Kriegskalender war schon weit fortgeschritten. Die Befehle Claudius an seine Truppen wurde durch den Freigelassenen Narcissus überbracht. Zuerst reagierten die Truppen auf diese Art der Befehlsüberbringung durch einen Freigelassenen empört, doch schwang die Stimmung um und die Soldaten sahen die komische Seite und begrüßten Narcissus unter den rufen " Io, Saturnalia "10, in Erinnerung an die Saturnalien bei denen Sklaven und Herren die Rollen tauschten. Schlussendlich folgten sie den Befehlen Claudius und bereiteten die Übersetzung nach Britannien vor.
Die Legionen wurden in drei Divisionen übergesetzt ohne bei der Landung auf Gegenwehr durch die Britannier zu stoßen. Der Nachteil den der fortgeschrittenen Kriegskalender mit seinem drohenden Wintereinbruch bedeute, wurde durch das Fehlen einer gegnerischen Armee ausgeglichen. Die Britannier hatten gerade wegen der späten Kampagne der Römer nicht mehr mit einer Landung gerechnet und somit kein stehendes Heer zu Verteidigung ihres Landes aufgeboten. Die Landungspunkte der Legionen sind nicht mit ganzer Sicherheit zu bestimmen. Vermutlich landete eine Division in Richborough, eine andere in der Nähe von Chichester um sich vermutlich mit regionalen verbündeten Truppen zu vereinigen. Der Landungspunkt der dritten Division ist unbekannt, aber es wird davon ausgegangen das er in der Nähe der anderen beiden Landungspunkte liegt um eine schnelle Vereinigung der Legionen zu gewährleisten.11 Der anfängliche Erfolg der Landung und das Sammeln der Truppen wurde durch die ausweichende Taktik der Kampfvermeidung der Britannier schnell verloren. In der Hoffnung den Gegner lange genug zu umgehen, damit seine Vorräte zur Neige gehen und durch den drohenden Wintereinbruch die Invasion abbrechen würde, versuchten die Britannier die Truppen Plautius mit Guerilla Taktiken zu zermürben. Dennoch gelang es Plautius die britannischen Truppen zu stellen und seine ersten Siege zu erringen, indem er zwei Schlachten, vermutlich in der Nähe von Kent und Hampshire für sich gewinnen konnte. Kurz nach diesem Sieg wurde ein Legionslager erbaut und die Kampagne weiter verfolgt. Eine starke Streitmacht der Britannier sammelte sich nach den ersten beiden Schlachten bei einem Flussübergang des Medway im Osten Englands. Die folgende Schlacht, die ganze zwei Tage dauerte, zeigt die Verbissenheit der Britannier mit der sie den Krieg führten. Antike Schlachten dauerten meistens nur einen Tag, bei der einer der beiden Parteien einen Sieg errang.12 Eine Spezialeinheit der Römer, die sogenannten " Celtic "13, überquerte unbemerkt den Fluss und tötete die Pferde der Wagenlenker was die gesamte britannische Armee in Panik versetze. Nach
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diesem Erfolg lies Plautius seine Hauptmänner Vespasian und seinen älteren Bruder Sabinus mit Legionären den Fluss überqueren um den Feind zu verfolgen.14 Am folgenden Tag sammelten sich die britannischen Truppen erneut und zogen gegen die Römer in die Schlacht an dessen Ende die Römer siegten und die verbliebenen Truppen der Britannier sich nach Essex zurückziehen mussten. Auch bei diesem Rückzug verfolgten die Römer die fliehenden Britannier und fügten ihnen dabei große Verluste zu. Kurz nach dieser Niederlage wurde Togodumnus getötet, bei dem man nicht weiß wo und wie er starb. Statt nach diesem Verlust zu kapitulieren versammelten sich die Britannier, aus Rachsucht an dem Tod Togodumnus befeuert, erneut und zwangen Plautius die Kampagne zu pausieren. Nach Dio war Plautius über den Kampfgeist der Britannier dermaßen erschrocken das er das gewonnen Gebiet sichern und nach Claudius schicken ließ, damit dieser Verstärkung nach Britannien sendete. Plautius Verhalten ist unter heutigen Historikern umstritten in Bezug auf die Bitte nach Verstärkung aufgrund des Widerstandes der Britannier. Vielmehr geht man heute davon aus das Plautius explizite Anweisungen von Claudius hatte, ihn vor dem Ende der Kampagne zu unterrichten und ein " Hilfegesuch " an ihn zu senden. Wie bereits zu Anfang erwähnt benötige Claudius einen militärischen Triumph, der nur durch seine Gegenwart auf dem Schlachtfeld perfekt werden konnte und somit einen persönlichen Einzug in die Hauptstadt des Feindes benötigte. Sueton spielt sogar die gesamte Kampagne Claudius herunter und beschreibt sie " of little importance "15 und erzählt außerdem das Claudius weder Schlachten schlug, noch Verluste erlitt. Auch der antike jüdische Historiker Josephus, ein Mitstreiter Vespasians, schreibt das Claudius seinen Triumph ohne jede Eigenleistung erhielt.16 Jedoch ist bei Josephus zu beachten das er in späteren Jahren von Vespasian und seiner Familie abhängig war und somit nicht als unvoreingenommener Zeitzeuge betrachtet werden kann. Dio zeigt ein ganz anderes Bild von Claudius erscheinen. Er erzählt das Claudius eine britannische Armee besiegte, Colchester ( Camulodunum ) einnahm, einige Stämme durch Diplomatie und militärische Siege unter seine Kontrolle brachte und am Ende der Kampagne von seinen Truppen mehrmals als Imperator ausgerufen wurde. Auf den zwei Triumphbögen in Gaul und in Rom, die vom Senat für Claudius Leistungen erbaut wurden, sind Teile der Inschrift noch erhalten. Auf diesen Teilen steht das die beiden Bögen errichtet wurden:

" by the Roman Senate and People because he had received the surrender of eleven British kings defeated without loss and brought barbarian peoples beyond the Ocean for the first time under the

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rule of Rome "17

Inwieweit Claudius keine Verluste bei den folgenden Schlachten erlitt ist nicht ersichtlich, gehörte aber dies zu einem vollständigen Triumph dazu. Das sich jedoch ein Großteil der Stämme ihm unterwarf kann durchaus als wahr angenommen werden. Claudius hatte bei seiner Landung nicht nur Verstärkung in Form von Soldaten bei sich, sondern auch Kriegselefanten, die den Britanniern völlig unbekannt waren und bei ihnen einen solchen Schrecken verursachten das vermutlich ganze Schlachten beim Anblick dieser Tiere ausfielen. Bevor Claudius sich nach seinem 16 Tägigen Aufenthalt in Britannien wieder auf den Weg zurück nach Rom machte, gab er Aulus Plautius den Befehl den Rest der Insel zu erobern. Wieder in Rom angekommen erhielt Claudius seinen Triumph und vom Senat den Ehrentitel " Britannicus ", außerdem wurden Münzen geschlagen mit der Aufschrift De Britanni.18

Britannien als Provinz von Rom


Die Provinzialverwaltung fiel zu einen an die Provinzial Administration sowie an die kaiserliche Administration. Auf Seiten der kaiserlichen Administration stand der Gouverneur, in Britannien ein ehemaliger Konsul aufgrund seiner Größe und Wichtigkeit19, sowie ein procurator provinciae. Der Procurator war nicht dem Gouverneur unterstellt sondern dem Kaiser persönlich, was ein großes Konfliktpotential für beide Seiten bedeutete, dem Kaiser wiederum eine Kontrolle über den Gouverneur ermöglichte um diesen an einer eigenen Politik zu hindern. Die Aufgabe des Statthalters waren die Koordinierung aller militärischer Maßnahmen in der Provinz, die Rekrutierung neuer Soldaten, die Errichtung und den Erhalt von Marschwegen und Straßennetzen und die Sicherung der Provinz. Des weiteren hatte er ebenfalls die Aufgaben eines Diplomaten indem er sich um eine gute Beziehung zu den Klientelkönigtümern kümmern musste und es fiel ihm auch die Rechtsprechung zu wenn römische Bürger in einem Rechtsstreit beteiligt waren.
Das Claudius peinlich bedacht darauf war den Britanniern genau aufzuzeigen wer ihr neuer Herr war und um die Macht Roms greifbar zu machen, wurde Colchester zur pompösen Hauptstadt Britanniens umgebaut, indem es auf die Erdwälle der ehemaligen königlichen Residenz erbaut wurde.Tacitus schreibt hierzu:

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"Claudius legte eine starke Veteranen-Kolonie, Camulodumnum ( Colchester ), in das eroberte Gebiet, die zum Schutz gegen die Rebellen dienen und die ( neugewonnen ) Bundesgenossen ( also die Britannier ) an die Befolgung der Gesetze gewöhnen sollte."20

So wurde auf dem neu eroberten Gebiet eine römische Colonia gegründet, dass vor allem den Veteranen des Britannien Feldzuges als Wohngebiet dienen sollte. Diese Colonia trug den Namen colonia Claudia Victricensis, die Nach Claudius und der XX. Legion Valeria Victrix benannt wurde.
Dieser Akt bedeutete den symbolischen Sieg über die Britannier, der jedoch auch ein Hauptgrund war weclher den Boudicca Aufstand ein paar Jahre später ausbrechen ließ. Jedoch ist zu beachten das dieser Aufstand nicht unter der Regierung Claudius ausbrach, sondern unter seinem Nachfolger Nero. Das der Boudicca Aufstand überhaupt ausbrach war eine Reaktion auf das suppressive und aggressiven Verhalten der römischen Kolonisten, Soldaten und der Provinzialverwaltung gegenüber den Britannischen Einheimischen. Ein Problem blieb jedoch den Römern nicht erspart, je weiter britannische Stämme von Colchester entfernt waren desto unabhängiger fühlten sich sich auch. Der Stamm der Brigantes im Norden der eroberten Gebiete zeigte sich von der römischen Besatzung unbeeindruckt und fühlten sich mehr unabhängig als abhängig von den Römern obwohl sie per Gesetz ihnen unterstanden und es ebenfalls Handelsverträge auf beiden Seiten gab. Auch der Stamm der Iceni , in Norfolk, war den Römern zwar verpflichtet, inwieweit sie aber unter das römische Gesetzt fielen ist nicht bekannt. Es ist möglich das sie noch außerhalb der Provinz lagen da hinter ihnen nur noch das Meer lag. Im Jahre 47 n. Chr. provozierte Ostorius Scapula einen Aufstand, der Nachfolger Aulus Plautius, bei dem Versuch den Stamm der Iceni zu entwaffnen. Die Gefährlichkeit lag darin, dass die Iceni direkte Nachbarn zu Colchester waren und durch ihre Geographische Lage wichtige Meeresrouten zur Küste Norfolks kontrollierten. Der Verlust der Freundschaft zu den Iceni würde bedeuten das römische Truppen erst den Stamm besiegen und dann dazu eingesetzt werden müssten die Seewege zu sichern und somit Truppen fehlen würden mögliche Aufstände bei anderen Stämmen zu bekämpfen. Claudius hatten somit jede Menge Arbeit um die britannischen Stämme ruhig zu halten und betrieb zur Sicherung des Mächtegleichgewichts aktiv die Politik der Klientel Königtümer. Kurz nach seinem Sieg über die britannischen Stämme ließ Claudius die Britannier entwaffnen um eine mögliche Revolution gegen ihn von Beginn an zu verhindern. Des weiteren formte Claudius die eroberten Gebiete zu einer Provinz um über die Tacitus folgendes schreibt:

" The first of the men of consular ranl appointed as governor was Aulus Plautius and after him Ostorius Scapula, both excellent at war. Little by little the part nearest ( to the Continent ) was
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reduced into the usual form of a province, and a colony of military veterans added ( Colchester ). Certain civitates were given to Cogidumnus to be king over them. He survived, ever most loyal, to within our own memory. This was in accordance with the ancient and long accepted Roman habit of making even kings instruments for the imposition of servitude "21

Die Übergabe von Gauen oder Ländereien an ein Klientel-Königtum war bei den Römern eine übliche Praxis bei der Stabilisierung und Einverleibung neu gewonnener Gebiete. Die Idee hinter diesen Klientel-Königtümern bestand in der Annahme das Rom freundlich gesonnene Adlige eine Scheinmacht über ein Gebiet erhielten um so für die erhaltenen Gebiete selbst die Verwaltung zu übernehmen, Tribute zu zahlen und als Pufferzone zu den noch nicht eroberten Gebieten zu dienen. Somit konnte Rom seine Streitkräfte an wichtigen militärischen Punkten verstärken, ohne sich um die Grenzsicherung in den Bereichen der Klientelkönigtümer großartig kümmern zu müssen. Diese Königtümer sind in der Antike als membra partesque imperii bekannt.22Tacitus schreibt hierzu folgendes:

" Einige Stämme schenkte man nach der alten und schon früh gepflogenen Gewohnheit des römischen Volkes, selbst Könige als Werkzeug für die Versklavung zu gebrauchen, dem König Cogidumnus "23

Neben dem Stamm der Regner, dessen König Cogidmunus war, gehörten ebenfalls die Stämme der Atrebaten, Icener und Briganten zu den von den Römern eingesetzten Klientelkönigtümern. Welche civitas zum Reich Cogidumnus gehörten sind unbekannt, auch über ihn oder sein Königreich ist wenig bekannt. Jedoch geht Peter Salway davon aus, dass sein Königreich im Bereich um Chichester gelegen haben muss. Ein Beweis hierfür soll unter anderem die Entdeckung von militärischen Strukturen bei Fishbourne und Chichester selbst sein, die möglicherweise als Kontrollpunkte dienten um über die Loyalität Cogidumnus zu wachen. Mit dem Zug der Legionen in den Westen der Insel, sieht Salway einen Beweis darin, dass das Reich Cogidumnus mit der Ausbreitung der Römer, nur eine Zwischenlösung war. Bei den weiteren Eroberungen in Britannien unter Aulus Plautius tat sich auch der zukünftige Kaiser Vespasian hervor, indem er nach Suetons Erzählungen dreißigmal mit dem Gegner kämpfte, zwanzig oppida ( befestigte Siedlungen ) sowie die Insel Isle of Wight einnahm und zwei Stämme unter Aulus Plautius und Claudius besiegte. Für diese Leistungen erhielt er von Claudius die ornamenta triumphalia. Unter Aulus Plautius wurden
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die Britannier immer weiter nach Westen zurückgedrängt und am Ende seiner Amtszeit 47 n. Chr. waren die " lowlands" Britanniens unter römischer Kontrolle. Die vier Legionen wurden an die Grenzen des Eroberten Gebietes stationiert um mit der Zeit weiter gegen die verbliebenen freien Stämme, die sich auf das walisische Gebiet zurückgezogen hatten, vorzugehen. In Anerkennung seiner Leistungen und Dienste erhielt Aulus Plautius am Ende seiner Amtszeit eine ovatio, die größte Ehrung die einem nicht-kaiserlichen verliehen werden konnte.

Der Caratacus-Aufstand


In der Zeit zwischen der Abfahrt des alten und der Ankunft des neuen Stadthalters, hatte sich die Lage der Römer in Britannien verschlechtert. Britannische Stämme, vermutlich die Siluren und die Ordovicer unter der Führung Caratacus, hatten die Zeit des Machtvakuums genutzt und Einfälle in das römisch besetzte Gebiet unternommen. Caratacus rechnete nicht mit einem Eingreifen römischer Truppen, nachdem P. Ostorius Scapula angekommen und keine Erfahrung mit den neuen Truppen zu Felde hatte.24 Doch als neuer Stadthalter konnte Scapula das Treiben Caratacus nicht ungesühnt lassen und zog gegen ihn zu Felde. Um nicht Gefahr zu laufen das sein Rücken durch andere Stämme angegriffen werden konnte, ließ Scapula unter anderem die Icener entwaffnen. Das dies eine Provokation für die Stämme darstellte und ein Anlass zur Revolte bot, erkannte Scapula zu spät. Die Icener erhoben sich gegen die Römer und fanden bei anderen Stämmen die ebenfalls von der Entwaffnung betroffen waren Verbündete. Gegen diese Revolte musste Scapula als erstes zu Felde ziehen und stellte die britannischen Truppen vermutlich bei Stonea Camp bei March in den Cambridgeshire Fens. Die Aufständischen Stämme wurden besiegt und andere Stämme davon abgehalten sich dem Aufstand anzuschließen. Scapula ging ebenfalls gegen die Deceangli vor und drang dabei fast bis zum Meer gegenüber von Irland vor, bevor er sich aufgrund eines Aufstands der Briganten der schnell niedergeschlagen wurde, zurückziehen musste. Ganz Britannien war in Aufruhr und ließ Scapula von einem Brennpunkt zum anderen ziehen, auch als 49 n. Chr. die Siluren unter der Führung Caratacus einen Krieg gegen die römischen Besatzer anfingen.
Ganze zwei Jahre nach dem Beginn des Aufstands stellte sich Caratacus, nachdem er einen geeigneten Ort für seine Armee ausgewählt hatte und somit ein Vorteil seitens der Britannier bestand, zur offenen Schlacht gegen Scapula. Caratacus bereitete seine Truppen auf die bevorstehende Schlacht vor, indem er an die Vertreibung Caesars und die in Aussicht stehende Freiheit erinnerte. Auch der Geländevorteil der britannische Armee konnte Caratacus vor einer Niederlage gegen die römischen Truppen schützen. Mit der Taktik der testudo-Formation, bei der
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ein Schutzwall von Schilden gebildet wird der die Soldaten von Oben und von den Seiten vor Pfeilen schützt, wurde die Armee Caratacus besiegt, seine Familie gefangengenommen werden und seine Brüder ergaben sich den Römern. Caratacus selbst gelang die Flucht zum Stamm der Briganten und ihrer Königin Cartimandua. Cartimandua jedoch die, im Gegensatz zu vielen Leuten in ihrem Stamm, romtreu war lieferte Caratacus an die Römer aus. Ohne die Auslieferung wäre sie Gefahr gelaufen ihre Herrschaft über ihren Stamm zu verlieren oder Nachteile wie Handelsverboten zu erhalten. Caratacus und seine Familie wurden nach Rom gebracht und mussten an einem Schauzug von Claudius teilnehmen. Aufgrund seines Ansehens bei Claudius wurde Caratacus und seine Familie begnadigt.25 Mit der Niederlage Caratacus war der Aufstand in Britannien aber noch nicht Niedergeschlagen, vielmehr gingen die verbliebenen aufständischen Stämme zu einer Guerillataktik über und vermieden offene Schlachten mit den Römern. Ohne Erfolg den Aufstand niederzuschlagen verstarb Ostorius Scapula im Jahre 52 n. Chr.. Sein Nachfolger wurde A. Didius Gallus, der bis 57 n. Chr. Statthalter von Britannien blieb. Bei seiner Ankunft fand er eine unsichere Provinz vor, die unter Raubzügen der Siluren litt. Auch bei den Briganten gab es Unruhen die in eine Art Bürgerkrieg endeten. Der Grund hierfür lag in der Trennung von Cartimundua von ihrem Ehemann Venutius. Dieser sah sich in der Nachfolge Caratacus während Cartimundua noch immer romfreundlich gesinnt war. Bei diesem Kampf bat Cartimundua um römische Hilfe und Diduis schaffte es die alte Ordnung wieder herzustellen. Diese direkte Intervention stellt nach Brodersen eine neue Politik seitens Rom dar. Normalerweise intervenierte Rom erst nachdem ein Unterlegener Hilfe aufsuchte und stimmte dann über einen möglichen Feldzug ab.26 Zwar eroberte Didius keine weiteren Gebiete jedoch schaffte er es in der Provinz wieder Frieden einzuführen und die Grenzen zu sichern. Der Kaiserwechsel im Jahre 54 n. Chr. beeinflusste die Politik in Britannien nicht, war weiterhin die Eroberung Britanniens das Ziel Roms.










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Abschließende Diskussion


Claudius schaffte es sein Ziel zu erreichen und einen militärischen Triumph zu erhalten. Das eine Befriedung unter römischer Kontrolle sehr schwierig war, zog den Verlauf der Kampagne in die Länge. Falsche Politik und arrogante Kolonisten, die im Umgang mit der heimischen Bevölkerung ihre Ansicht sie seien etwas besseres offen zeigten, führten zu Unruhen in den Stämmen die sich schlussendlich in mehreren Aufständen entluden. Das Claudius Triumph ihn jedoch nicht davor bewahrte, dass selbe Schicksal wie sein Vorgänger anzutreten, zeigt seine Ermordung im Jahre 54 n. Chr.. Trotzdem ist Claudius ein außerordentlich interessanter und auch kontroverser Kaiser. Er konnte als erster Kaiser den römischen Einflussbereich auf die Britannische Insel ausweiten und sogar eine Provinz dort errichten. Er schaffte es somit die Pläne Caesars, einer Eroberung der Insel, fast zu erfüllen, auch wenn unter Claudius nur ein Teil der Insel erobert werden konnte. Nach alter römischer Tradition, Teile und Herrsche, ließ er Klientel-Königtümer entstehen und seine Provinz durch eine aktive Kolonialisierung befrieden. Aus der Sagenumwobenen Insel Britannien hinter dem beluosus oceanus wurde eine starke Handelsprovinz, die nun für jeden römischen Bürger greifbar war. Ob er einen militärischen Triumph verdient hatte ist nicht einfach zu beantworten. Sein 16 tägiger Aufenthalt auf der Insel war, so nach heutiger Meinung, eher dem Umstand zuzuschreiben das er für den Erhalt eines ordentlichen Triumphs an einer militärischen Kampagne persönlich teilnehmen musste. Plautius hatte vermutlich explizite Befehle von Claudius ihn zu rufen wenn die Kampagne kurz vor ihrem Ende stand und nicht wie beschrieben Furcht vor dem erstarkten britannischen Widerstand. Doch einen festgeschriebenen Zeitraum der Teilnahme einer Kampagne gibt es meiner Kenntnis nicht und ist lediglich eine Voraussetzung für einen ordentlichen Triumph. Und doch hatte er sich einen Triumph verdient, schaffte er es im Gegensatz zu Caligula, seine Truppen trotz anfänglicher Meuterei zu einer Überfahrt zu überreden.
Nicht nur die Erschaffung einer Provinz in Britannien kann Claudius als Erfolg angerechnet werden. Auch reformierte er den römischen Administration und gilt daher unter Historikern als Wendepunkt der Kaiserzeit, zumindest auf die Entwicklung der Administration in Rom bezogen. Dabei gehen die Meinungen unter Forschern auseinander die ihn als Konservativen, " halben Narren", der von seinen freigelassenen abhängig war, bis hin zu einem Revolutionär.27



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Literaturverzeichnis


  • Brodersen, Kai, Das römische Britannien; Spuren seiner Geschichte, Darmstadt 1998.
  • De La Bedoyere, Guy, Roman Britain : a new history, London 2006.
  • Eck, Werner, Die Bedeutung der claudischen Regierungszeit für die administrative Entwicklung des römischen Reiches; in: Volker Michael Strocka ( Hg.), Die Regierungszeit des Kaiser Claudius ( 41 - 54 n. Chr. ), Umbruch oder Episode?, Mainz 1994.
  • Salsa, Peter, Roman Britain, Oxford 1981.


Quellenverzeichnis

  • Tacitus, Annalen, Übersetzt von Erich Heller. Eingeleitet von Manfred Fuhrmann, Düsseldorf 1997.
  • Tacitus, Agricola, Übersetzt von Robert Feger. Eingeleitet von Robert Feger, Stuttgart 1983.
  • Virgil, The Aeneid. Übersetzt von Robert Fagles. Einleitung von Bernard Knox United States of America 2006.
















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1Brodersen, Kai, Das römische Britannien; Spuren seiner Geschichte, Darmstadt 1998, S. 57.
2Brodersen, Das römische Britannien, Abb.5 S. 57.
3Salway, Peter, Roman Britain, Oxford 1981, S. 66.
4Salway, Roman Britain, S. 66.
5De La Bedoyere, Guy, Roman Britain : a new history, London 2006, S. 26.
6De La Bedoyere, Roman Britain, S. 26.
7Salway, Roman Britain, S. 69.
8Ebd., S.72.
9Ebd., S.82.
10Ebd., S.82.
11Ebd., S.83.
12Ebd., S.84.
13Ebd., S.84.
14De La Bedoyere, Roman Britain, S.30.
15Salway, Roman Britain, S.85.
16Ebd., S. 85.
17Ebd., S.86.
18Brodersen, Das römische Britannien, Abb.5 S.70.
19Salway, Roman Britain, S.88.
20Brodersen, Das römische Britannien, S.72.
21Salway, Roman Britain, S.87.
22Brodersen, Das römische Britannien, S.77.
23Ebd., S.77.
24Brodersen, Das römische Britannien, S.84.
25Brodersen, Das römische Britannien, S.90.
26Brodersen, Das römische Britannien, S.94.
27Eck, Werner, Die Bedeutung der claudischen Regierungszeit für die administrative Entwicklung des römischen Reiches; in: Volker Michael Strocka ( Hg.), Die Regierungszeit des Kaiser Claudius ( 41 - 54 n. Chr. ), Umbruch oder Episode? Mainz 1994, S. 23.

Dienstag, 23. Juli 2013

Dear foreign students or people who are intrerested in history. If you want to have further informations to a theme, feel free to write an email to me
Wenn Posts nicht klappen, könnt ihr mir gerne eine NAchricht schicken die ich dann gerne beantworte.

If there is no possibility to write a post, feel free to write an email to me. I will answer it as soon as i can
Folgende Frage kam von meinem ehemaligen Geschichtslehrer die ich gerne beantworten werde:

Kommentar

Ich finde es prima, dass es diese Informationen über das Geschichtsstudium aus der Sicht eines Studierenden gibt.
1.Was mich interessieren würde, wäre, wie die entsprechenden Themenblöcke für den Historiker mit Staatsexamen (Lehramt) aussehen.
2. Thema Massenuni: Wie viele Teilnehmer haben Seminare und Vorlesungen? 
3. Spielen MOOCS eine Rolle? 
4. Zum Thema Zulassung zum Studium: Gibt es einen NC?
5. Braucht man das große Latinum?
6.Thema Berufschancen: Gibt es die wirklich? 
7. Was spricht für den Vollhistoriker? 
8. Was für das Lehramt in Geschichte? 
Als Geschichtslehrer an einem Gymnasium hätte ich z.B. Probleme, heutzutage das Geschichtsstudium auf Lehramt am Gymnasium zu empfehlen. Egal, ich wünsche diesem Blog viele Leser und viel Erfolg.

LG
Wolfgang Currlin
Antwort:
1. Mit folgendem Link kommt man auf die Themenblöcke die ein Lehramtstudent erfüllen muss. Ab Seite 5 findet ihr die Themenblöcke
 http://lehramt.phil.uni-mannheim.de/studienanfaenger/studienfuehrer_gympo_geschichte/studienfahrer_gympo_geschichte.pdf

Im Gegensatz zum Historiker Studium, müssen Lehramtstudenten nur einen Bruchteil der Kurse belegen die ein Historiker ableisten muss.

2. Seminare werde meist klein gehalten und haben eine Teilnehmer Zahl von 15 bis 20 Teilnehmern. Das ist aber nur der Durchschnitt. Je nach Dozent können es mehr oder weniger Teilnehmer sein. Vorlesungen sind sehr stark besucht und haben je nach Thema eine Teilnehmerzahl von 40 bis 60 Teilnehmern. Hierzu zählen auch Lehramstudenten, Historiker und Gasthörer.

3.  Massive Open Online Course (MOOC) spielen keine Rolle da im Online-Portal nur Texte und Präsentationen angeboten werden.

4. Einen NC gibt es für die Zulassung des Studiums meiner Erfahrung nicht. Lediglich bei der Wahl des Nebenfaches kann ein NC oder zumindest ein Ranking anfallen.

5. Je nach Uni werden unterschiedliche Anforderungen gestellt. Die Uni Mannheim verlangt kein Latinum. Die Uni Heidelberg hingegen verlangt entweder das große Latinum oder Graecum.

6. Wie in jedem Geisteswissenschaftlichen Fach muss sich der Student klar werden das er in seinem eigentlichen Studiengang nicht arbeiten wird. Je nach eigenem Interesse und der Wahl des Nebenfaches, können unterschiedliche Berufe zugänglich sein. Mit Geschichte und Medien/Kommunikationswissenschaften als Beifach, hat der Student die Möglichkeit in Unternehmen im Personalbereich oder der Außenwerbung eines Unternehmens angestellt zu werden. Doch es gilt das man versucht sich frühzeitig um Kontakte zu bemühen und durch entsprechende Praktikas Erfahrung zu sammeln.

7. Als Vollhistoriker ist man in den Kontext des Schulwesens nicht eingebunden. Die Berufchancen sind weiter gefächert und somit bleibt der Absolvent mobiler in seiener Berufswahl. Viele Studenten lieben Geschichte würde aber nicht den Schulunterricht der freien Berufsentfaltung vorziehen.

8. Das Studium der Geschichte auf Lehramt bedeutet einen relativ sicheren Job in der Zukunft. Dabei ist zu beachten das die Wahl des Lehrortes stark von der Nachfrage des Bundeslandes abhängt. Frei nach dem Motto einmal Lehrer immer Lehrer, ist der Berufsbereich sehr eingeschränkt, was jedoch die Aussichten auf eine Festanstellung ausgleicht.

Mittwoch, 17. Juli 2013

Der Gerechte Krieg und die Fetialenpriesterschaft

Der Gerechte Krieg und die Fetialenpriesterschaft


Krieg stellt seit jeher die letzte Art der menschlichen Konfliktlösung dar. Als Ultima Ratio können dabei viele Faktoren als Gründe für kriegerische Auseinandersetzungen dienen, sei es der Kampf um Ressourcen oder Moralische/Religiöse Streitigkeiten. Seit der Antike und auch bis in unsere Gegenwart stellt Religion, so scheint es, die Hauptquelle kriegerischer Auseinandersetzungen dar, wenngleich Religion meist als Mittel zum Zweck, als oberste Legitimation für eine Auseinandersetzung missbraucht wird. Wahre Religiöse Kriege, bei denen die Kontrahenten wirklich der Meinung sind mit Hilfe von Göttern oder für Götter in den Krieg zu ziehen, müssen mit einem gesonderten Blickwinkel untersucht werden. Hierbei muss die Verzahnung von Politik und Religion vollständig in einer Gesellschaft aufgehen und mit einer Gleichberechtigung gegenüber der Politik und Selbstverständlichkeit das gesellschaftliche Leben eines Volkes bestimmen. Religion stellt somit einen kulturellen Fixpunkt dar, an dem sich ein Volk orientieren und als Gemeinschaft definieren kann. Im Kontext mit Krieg wirkt Religion als moralischer Katalysator, welcher die jeweilige Kriegspartei gegen Vorwürfe immunisiert. Man Dient einer höheren Sache und wer kann den Willen der Götter in Frage stellen! Somit wird Gleichzeitig auch ein Feindbild geschaffen welches in einem Prozess der Dämonisierung das Gegenüber als Feind der Götter und somit auch als Feind des Staates und des Volkes darstellt. Die Folge dieser Dehumanisierung soll den Soldaten bei einer direkten kriegerischen Konfrontation mit dem Feind die Tötungshemmungen nehmen. Schlussendlich dient Religion der Stärkung der Moral der eignen Truppen. Ein bestimmter Gott kämpft an der Seite der Soldaten, wie sollen sie dann nicht Siegreich das Schlachtfeld verlassen!
Die Religiöse Einbindung in den Krieg, also die religiöse Konstruktion des Krieges, kann durch Rituale, Glaubenssätze und Rechtssätze als Normalisierungsfaktor des Unnormalen dienen. Das Volk dient einem höheren Zweck und muss somit die bevorstehenden Strapazen erdulden und sein bestmögliches tun um der Aufgabe der Götter gerecht zu werden. Um nun die Frage wann ein Krieg gerecht sei ( bellum iustum ) zu beantworten, entstand in Rom eine eigene Institution, die sogenannten " Fetialen ". Ihren Ursprung haben die " Fetialen " in der Problematik der Familienfehden in Rom. Als stattliches Organ mit eigenen Riten sollte dem ausufern der Fehden Einhalt geboten werden. Was zunächst der Kontrolle von Familienfehden diente, wurde seit der Mitte des dritten Jahrhunderts zu einem Kontrollorgan des Senats um weit entfernte Magistrat zu kontrollieren und bei gegebenen Verfehlungen so zur Rechenschaft zu ziehen. Dabei wurde auf die selbstständige Vertragsschließung der Magistraten eingegangen. Wenn sie eigennützigen Verträge schlossen die zu Konflikten mit Bundesgenossen oder anderen Völkern führten, konnten die " Fetialen " durch Auslieferung des entsprechenden Vertragssünder Konflikte vom Staat abwenden. Mit der weiteren Entwicklung des römischen Staates veränderte sich ebenfalls der Aufgabenbereich der " Fetialen ". Ihre Mitglieder gehörten einem Priesterkollegium an, die den Gegner Roms die Chance auf Wiedergutmachung ( repetito rerum ) einräumte und falls diese ablehnten den Krieg erklären konnten. Sie traten somit als Völkerrechtsexperten für die Interessen Roms auf.
Im Falle eines " bellum iustum " zogen sich sakrale Riten durch die gesamte römische Kriegsführung und bildeten eine streng gegliederte Anleitung wie ein solcher Krieg zu führen war.
Nach der Kriegserklärung durch die Priester wurde vor dem Entsenden der Truppen ein Divinationsakt durchgeführt. Bei den Auszugsauspizien wurde daher genau untersucht ob Iuppiter seine Zustimmung für einen entsprechenden Feldzug dem Senat erteilte. Es konnte ebenfalls ein Rückruf des Generals von seinem Feldzug erteilt werden, um erneut Auspizien ( auspicia repetere ) durchzuführen. Für eine vollständige Legitimation des Feldzuges legte der Feldherr auf dem Kapitol des Iuppiter mehre Gelübde ab, die dieser nach einem erfolgreichen Feldzug einlösen wollte ( vota nuncupare ). Mit dem Auszug des Heeres aus Rom tauschte der Feldheer seine Toga gegen einen Kriegsmantel ( paludamentum ) und die " porta Ianualis " wurde geöffnet. Diese Pforte, ein Tor welches dem Forum am nächsten war, diente als Orientierungspunkt für alle Römer ob Rom gegenwärtig im Krieg war. In Zeiten des Friedens blieb sie geschlossen.
Die Reinigung des Heeres durch eine sogenannte " lustratio exercitus " erfolgte nach dem Eintreffen des Feldherren. Bei diesem Ritus wurden Opfertiere um das gesamte Heer geführt und anschließen geopfert. Im Anschluss legte das Heer ein " sacramentum ", einen Eid auf den Feldherren ab, indem ein Text vorgelesen wurde den jeder Soldat mit den Worten " idem in me " ( lat.: Das Gilt auch für mich ) antwortete. Am Tage der Schlacht wurde ein " tripudium " durchgeführt, bei dem das Fressverhalten von mitgeführten Hühnern beobachtet wurde. Fraßen die Hühner gierig war dies ein positives Zeichen für den Verlauf des Kampfes. Auch während eines Kampfes konnte der Feldherr durch laute Gebete und Gelübde die Moral der Truppen zusätzlich stärken. Selbst in absoluten Notsituation konnte der Feldherr versuchen durch eine " Devotio der Decier " den Ausgang der Schlacht zu verändern. Dabei verfluchte der Feldherr die Feinde Roms in Form eines Gelübdes und unterstrich diese sakrale Handlung mit seiner Selbstopferung. Historisch ist nur ein Fall einer solchen Handlung bekannt und darf daher nicht als Teil des sakralen Aufbau eines Krieges angesehen werden. Ein weiteres Gelübde beinhaltet das Versprechen an die gegnerischen Götter ( Evokation ) , dass wenn diese sich von den Feinden Roms abwenden, ihnen im Gegenzug in Rom Tempel und eigene Kulte versprochen wurden.
Nach der Schlacht mussten die Toten entsprechend bestattet werden ( iusta solvere ). Rom selber sah diese Aufgabe als Privatangelegenheit an, es gab daher keine Staatsbegräbnisse oder Denkmäler für die Gefallen. Vielmehr setzte sich seit dem zweiten Jahrhundert das Aufrichten von Trophäen durch. Hierbei wurde eine Art Vogelscheuche, bestehend aus den Rüstungsteilen der Feinde, auf dem Schlachtfeld aufgestellt. Rüstungen die im Zweikampf erbeutet wurden unterlagen einer gesonderten Behandlung. Vor allem Rüstungen von feindlichen Anführern wurden in Tempel überführt oder daheim als Trophäe aufgehängt. Das siegreiche Ende eines Krieges wurde durch eine Ansprache des Feldherren an seine Truppen, sowie dem Verleihen von Auszeichnungen und Belobigungen beendet. Als größte Ehre konnte der Feldherr von seinen Truppen zum " Imperator " ausgerufen werden, was in der späten römischen Republik indirekt die Kaiser Nachfolge regelte.



Bibliographie:

  • Rüpke, Jörg; Domi militiae : die religiöse Konstruktion des Krieges in Rom, Stuttgart 1990.
  • Mommsen, Theodor/ Joachim Marquart; Römisches Staatsrecht, in: Handbuch der römischen Alterthümer, Bd. 1, Leipzig 1878.