Mittwoch, 17. Juli 2013

Der Gerechte Krieg und die Fetialenpriesterschaft

Der Gerechte Krieg und die Fetialenpriesterschaft


Krieg stellt seit jeher die letzte Art der menschlichen Konfliktlösung dar. Als Ultima Ratio können dabei viele Faktoren als Gründe für kriegerische Auseinandersetzungen dienen, sei es der Kampf um Ressourcen oder Moralische/Religiöse Streitigkeiten. Seit der Antike und auch bis in unsere Gegenwart stellt Religion, so scheint es, die Hauptquelle kriegerischer Auseinandersetzungen dar, wenngleich Religion meist als Mittel zum Zweck, als oberste Legitimation für eine Auseinandersetzung missbraucht wird. Wahre Religiöse Kriege, bei denen die Kontrahenten wirklich der Meinung sind mit Hilfe von Göttern oder für Götter in den Krieg zu ziehen, müssen mit einem gesonderten Blickwinkel untersucht werden. Hierbei muss die Verzahnung von Politik und Religion vollständig in einer Gesellschaft aufgehen und mit einer Gleichberechtigung gegenüber der Politik und Selbstverständlichkeit das gesellschaftliche Leben eines Volkes bestimmen. Religion stellt somit einen kulturellen Fixpunkt dar, an dem sich ein Volk orientieren und als Gemeinschaft definieren kann. Im Kontext mit Krieg wirkt Religion als moralischer Katalysator, welcher die jeweilige Kriegspartei gegen Vorwürfe immunisiert. Man Dient einer höheren Sache und wer kann den Willen der Götter in Frage stellen! Somit wird Gleichzeitig auch ein Feindbild geschaffen welches in einem Prozess der Dämonisierung das Gegenüber als Feind der Götter und somit auch als Feind des Staates und des Volkes darstellt. Die Folge dieser Dehumanisierung soll den Soldaten bei einer direkten kriegerischen Konfrontation mit dem Feind die Tötungshemmungen nehmen. Schlussendlich dient Religion der Stärkung der Moral der eignen Truppen. Ein bestimmter Gott kämpft an der Seite der Soldaten, wie sollen sie dann nicht Siegreich das Schlachtfeld verlassen!
Die Religiöse Einbindung in den Krieg, also die religiöse Konstruktion des Krieges, kann durch Rituale, Glaubenssätze und Rechtssätze als Normalisierungsfaktor des Unnormalen dienen. Das Volk dient einem höheren Zweck und muss somit die bevorstehenden Strapazen erdulden und sein bestmögliches tun um der Aufgabe der Götter gerecht zu werden. Um nun die Frage wann ein Krieg gerecht sei ( bellum iustum ) zu beantworten, entstand in Rom eine eigene Institution, die sogenannten " Fetialen ". Ihren Ursprung haben die " Fetialen " in der Problematik der Familienfehden in Rom. Als stattliches Organ mit eigenen Riten sollte dem ausufern der Fehden Einhalt geboten werden. Was zunächst der Kontrolle von Familienfehden diente, wurde seit der Mitte des dritten Jahrhunderts zu einem Kontrollorgan des Senats um weit entfernte Magistrat zu kontrollieren und bei gegebenen Verfehlungen so zur Rechenschaft zu ziehen. Dabei wurde auf die selbstständige Vertragsschließung der Magistraten eingegangen. Wenn sie eigennützigen Verträge schlossen die zu Konflikten mit Bundesgenossen oder anderen Völkern führten, konnten die " Fetialen " durch Auslieferung des entsprechenden Vertragssünder Konflikte vom Staat abwenden. Mit der weiteren Entwicklung des römischen Staates veränderte sich ebenfalls der Aufgabenbereich der " Fetialen ". Ihre Mitglieder gehörten einem Priesterkollegium an, die den Gegner Roms die Chance auf Wiedergutmachung ( repetito rerum ) einräumte und falls diese ablehnten den Krieg erklären konnten. Sie traten somit als Völkerrechtsexperten für die Interessen Roms auf.
Im Falle eines " bellum iustum " zogen sich sakrale Riten durch die gesamte römische Kriegsführung und bildeten eine streng gegliederte Anleitung wie ein solcher Krieg zu führen war.
Nach der Kriegserklärung durch die Priester wurde vor dem Entsenden der Truppen ein Divinationsakt durchgeführt. Bei den Auszugsauspizien wurde daher genau untersucht ob Iuppiter seine Zustimmung für einen entsprechenden Feldzug dem Senat erteilte. Es konnte ebenfalls ein Rückruf des Generals von seinem Feldzug erteilt werden, um erneut Auspizien ( auspicia repetere ) durchzuführen. Für eine vollständige Legitimation des Feldzuges legte der Feldherr auf dem Kapitol des Iuppiter mehre Gelübde ab, die dieser nach einem erfolgreichen Feldzug einlösen wollte ( vota nuncupare ). Mit dem Auszug des Heeres aus Rom tauschte der Feldheer seine Toga gegen einen Kriegsmantel ( paludamentum ) und die " porta Ianualis " wurde geöffnet. Diese Pforte, ein Tor welches dem Forum am nächsten war, diente als Orientierungspunkt für alle Römer ob Rom gegenwärtig im Krieg war. In Zeiten des Friedens blieb sie geschlossen.
Die Reinigung des Heeres durch eine sogenannte " lustratio exercitus " erfolgte nach dem Eintreffen des Feldherren. Bei diesem Ritus wurden Opfertiere um das gesamte Heer geführt und anschließen geopfert. Im Anschluss legte das Heer ein " sacramentum ", einen Eid auf den Feldherren ab, indem ein Text vorgelesen wurde den jeder Soldat mit den Worten " idem in me " ( lat.: Das Gilt auch für mich ) antwortete. Am Tage der Schlacht wurde ein " tripudium " durchgeführt, bei dem das Fressverhalten von mitgeführten Hühnern beobachtet wurde. Fraßen die Hühner gierig war dies ein positives Zeichen für den Verlauf des Kampfes. Auch während eines Kampfes konnte der Feldherr durch laute Gebete und Gelübde die Moral der Truppen zusätzlich stärken. Selbst in absoluten Notsituation konnte der Feldherr versuchen durch eine " Devotio der Decier " den Ausgang der Schlacht zu verändern. Dabei verfluchte der Feldherr die Feinde Roms in Form eines Gelübdes und unterstrich diese sakrale Handlung mit seiner Selbstopferung. Historisch ist nur ein Fall einer solchen Handlung bekannt und darf daher nicht als Teil des sakralen Aufbau eines Krieges angesehen werden. Ein weiteres Gelübde beinhaltet das Versprechen an die gegnerischen Götter ( Evokation ) , dass wenn diese sich von den Feinden Roms abwenden, ihnen im Gegenzug in Rom Tempel und eigene Kulte versprochen wurden.
Nach der Schlacht mussten die Toten entsprechend bestattet werden ( iusta solvere ). Rom selber sah diese Aufgabe als Privatangelegenheit an, es gab daher keine Staatsbegräbnisse oder Denkmäler für die Gefallen. Vielmehr setzte sich seit dem zweiten Jahrhundert das Aufrichten von Trophäen durch. Hierbei wurde eine Art Vogelscheuche, bestehend aus den Rüstungsteilen der Feinde, auf dem Schlachtfeld aufgestellt. Rüstungen die im Zweikampf erbeutet wurden unterlagen einer gesonderten Behandlung. Vor allem Rüstungen von feindlichen Anführern wurden in Tempel überführt oder daheim als Trophäe aufgehängt. Das siegreiche Ende eines Krieges wurde durch eine Ansprache des Feldherren an seine Truppen, sowie dem Verleihen von Auszeichnungen und Belobigungen beendet. Als größte Ehre konnte der Feldherr von seinen Truppen zum " Imperator " ausgerufen werden, was in der späten römischen Republik indirekt die Kaiser Nachfolge regelte.



Bibliographie:

  • Rüpke, Jörg; Domi militiae : die religiöse Konstruktion des Krieges in Rom, Stuttgart 1990.
  • Mommsen, Theodor/ Joachim Marquart; Römisches Staatsrecht, in: Handbuch der römischen Alterthümer, Bd. 1, Leipzig 1878.

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